Geschichte Friedersdorf

Schon die Form der Anlage Friedersdorfs als Bachreihendorf verrät, dass die Gemeinde zu jenen Dörfern zählt, die im Zuge der deutschen Ostexpansion im 12. und 13. Jahrhundert an vielen Plätzen des östlichen Deutschland entstanden.

Eine erste urkundliche Erwähnung datiert aus dem Jahr 1286, doch lassen verschiedene Umstände - wie zum Beispiel die berechtigte Annahme eines ersten Kirchenbaues kurz vor oder um 1260 - den Schluss zu, dass Friedersdorf bereits um 1200 oder früher gegründet wurde. Die ersten Einwohner waren Siedler aus Holland, Friesland und Flandern, die hier eine neue Heimat gesucht hatten.

Zu dieser Zeit erstreckte sich das Dorf nicht weiter als von der Straße, die von Reichenbach kommt, bis zu dem zu den Feldhäusern führenden Weg. Gegenüber der jetzigen Gaststätte befand sich ein befestigter von Gräben umzogener Rittersitz, nach dessen erstem Grundherrn wohl das Dorf benannt wurde. So ist in einer Urkunde von 1363 der Name Friederychsdorf zu lesen.

Von den Ereignissen des Bauernkriegs und der Frühbürgerlichen Revolution in Deutschland wurde unser Dorf im Gegensatz zu vielen umliegenden Dörfern und Gemeinden kaum berührt. Zu dieser Zeit kam Friedersdorf in den Besitz der Stadt Görlitz. Der Rittersitz, nun unbewohnt, verfiel allmählich und wurde abgetragen. Dagegen wurde 1593 von Christoph Ullrich das erste Haus auf der bis dahin unbewohnten und nur zur Hutung genutzten Dorfaue gebaut. Zu diesem Haus kamen in den nächsten 250 Jahren noch genau 100 hinzu.

Auch die drei Schmieden des Dorfes befanden sich in der Aue. Gleichfalls um 1600 entstanden auf Anordnung des Magistrats von Görlitz einige der Teiche, die dem Dorf noch heute sein charakteristisches Aussehen verleihen.

In den Jahren 1834/35 wurde das heutige Schulhaus gebaut und das zu klein gewordene für 523 Taler an Fleischermeister Gottwald verkauft. Das alte wurde abgetragen und auf dem Grundstück Hartmann neu aufgebaut.

Die Ereignisse der Jahre 1864,1866 und 1870/71 berührten Friedersdorf kaum, jedoch fanden im letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts verstärkt Handwerk und Gewerbe Eingang ins Dorf. Hatten früher einige Häusler ein Handwerk als Zimmerleute, Schuster, Schneider oder Weber ausgeübt, so entstanden nun eine Ziegelei, zwei Bäckereien, eine Fleischerei und ein Kolonialwarengeschäft; die Zahl der Gaststätten stieg auf vier an. 1895 hatte das Dorf 812 Einwohner.

Der gemeinsame Wille zu einem wirkungsvollen Schutz vor Bränden und Katastrophen führte am 25. September 1925 zur Gründung der Freiwilligen Feuerwehr. Eine große Umwälzung in der Landwirtschaft kam 1960, als 52 Betriebe der LPG Friedenswacht, einer Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft vom Typ III, beitraten. Aus 20 weiteren Betrieben entstand die LPG Einigkeit Typ I mit einer landwirtschaftlichen Nutzfläche von 270 Hektar. Im Verlauf der sechziger Jahre traten die Betriebe von der LPG Typ I zur LPG Typ III über.

Im Jahr 1973 bildeten sich im Kreis Görlitz vier Kooperationsgemeinschaften, zu deren größter - der Kooperation Pflanzenproduktion Reichenbach - von nun an auch Friedersdorf gehörte. In der Tierproduktion entschloß sich die LPG Friedenswacht für den Aufbau industriemäßiger Anlagen zur Schweinehaltung.

In unserer Schule wurde bis 1959 der Mehrstundenunterricht praktiziert, da nur vier Klassenräume vorhanden waren. Am 1. September dieses Jahres entstand das Schulkombinat Friedersdorf/Jauernick, so daß die 1. bis 4. Klassen in Jauernick und die 5. bis 8. Klassen in Friedersdorf unterrichtet wurden. Kurz darauf begann auch der Bau der Turnhalle. Aus jüngerer Zeit ist vor allem auf den Schulerweiterungsbau, den Einbau einer Zentralheizung für die gesamte Schule, den Einbau der Umkleideräumen sowie den Küchenerweiterungsbau hinzuweisen.

Im Jahr 1960 erfüllte sich der Wunsch vieler Mütter - der Kindergartens mit 29 Plätzen wurde eingeweiht. Auch konnte die neugebaute Kinderkrippe übergeben werden, die damals zu den modernsten Kindereinrichtungen des Kreises zählte und es 23 Muttis ermöglichte, eine Arbeit anzunehmen. Weil die Kinderkrippe herausgelöst wurde, konnten im Kindergarten nach Umbauten weitere Verbesserungen für das Personal und die Kinder erreicht werden. Schließlich stieg die Kapazität des Kindergartens auf 42 Kinder.

Auch das Gesundheitswesen hat sich in Friedersdorf immer wieder verbessert. War in den ersten Nachkriegsjahren die Gemeindeschwesternstation im Haus der BHG (Bäuerliche Handelsgenossenschaft) untergebracht, so richtete die Gemeinde in den fünfziger Jahren eine neue Station mit modernen Geräten im Mitteldorf ein. Die ärztliche Versorgung der Bürger unserer Gemeinde erfolgte damals durch die staatliche Arztpraxis in Jauernick-Buschbach.

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